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Rheinische Post, Dienstag, 23.09.2008
Eindrucksvoller Auftakt der neuen Kempener Klaviersaison in der Paterskirche: Die junge deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott stellte sich mit einem gewichtigen Programm – Beethoven, Chopin, Liszt - vor.
KEMPEN (-mm) Dass sie genau weiß, was sie tut, zeigte sich gleich zu Beginn von Beethovens "Appasionata" (Sonate f-moll op. 57). Da ließ sie sich durch die Satzbezeichnung "Allegro assai" nicht dazu verführen, den Unisonoeinstieg zu schnell zu nehmen, und behielt so den Spielraum, die folgenden raschen Figurationen und vollen Akkorde nicht nur sehr genau, sondern auch mit dem gebotenem Gewicht zu spielen.

Ihr höchst kontrolliertes Spiel lässt - auch bei renommierten Klavier-Kollegen durchaus nicht selbstverständlich - immer den fundierenden Baßlinien ihr Recht. Das zweite Thema mit den dynamisch genau abgestimmten Triolen hat vorwärtsstürmenden Schwung, das Pianissimo (Takt 204) hat völlige Klarheit. Und im 'Piu allegro' (T. 239) kann dann die volle Gewalt der Schlußpartie hervorbrechen. Das Tempo des Mittelsatzes war angemessen flüssig, die 32tel Figurationen sehr klar. Für das wilde Schlußpresto hatte Ott die nötigen Reserven.

Es folgten sieben Chopin-Walzer. Es gibt berühmte Beispiele, wo der Spieler bei dieser Musik in Rubatoseligkeit versinkt. Das war Alice Sara Otts Sache nicht. Schon das Es-Dur-Stück op. 18 ging sie ziemlich straff an, was dann die rhythmische Beweglichkeit, wo sie denn angebracht war, umso wirkungsvoller machte. Der von Generationen von Klavierschülern traktierte a-moll-Walzer (op. 34/2) behielt seinen ruhig-würdevollen Gang und seine Lebendigkeit durch feines Abschattieren. Das h-moll-Stück (op. 69/2) fesselte durch den leuchtenden Ton der Diskantlinien.

Mehr noch als bei Beethoven und Chopin hieß es bei Liszts Paganini-Etuden (darunter die berühmte Glöckchen-Etüde) pianistische Farbe bekennen. In diesen Bearbeitungen von Violinkompositionen Paganinis hat Liszt pianistisches Feuerwerk investiert, donnernde Oktavgänge, Akkordgewitter, elegantes Passagenwerk und klangvolle Arpeggien, eingebettet zwischen einschmeichelnde lyrische Passagen.


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