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Westdeutsche Zeitung, Montag, 17.11.2008
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Konzert Latino-Gitarrist Ricardo Havenstein musizierte bei der "Nachtmusik" hellwach.
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Von Tom Krebs
Kempen. Ein Mann, eine Gitarre, einen Ort - mehr braucht es nicht, um grosse Gefühle im kleinen Rahmen der Paterskirche im Kulturforum Franziskanerkloster hervorzurufen. Ricardo Havenstein, 1964 in Buenos Aires gebohrener Musikus, gastierte bei der noch jungen Konzertreihe "Nachtmusik" und begeisterte auf ganzer Linie.
Sein hellwaches Spiel zu später Stunde trug er, vom Hall getragen, brillant vor und gab rund 100 Zuhörern ein wohlig-warmes Gefühl mit auf den Weg. In seinem Spiel vereinigt sich das argentinische Feuer mit der abendländischen Strenge. Will heissen: sein Musikstudium absolvierte Havenstein in Köln und schloss es dort 1988 mit der höchsten Bewertung ab. Seine intensive Konzerttätigkeit merkt man dem routinierten, gleichzeitig aber durchaus spielfreudigen, angenehm natürlichen Zeitgenossen deutlich an.
Havensteins Liebe zu J.S. Bach trifft auf lateinamerikanische Rhythmen und Melodien. Er wühlt sich durch minstestens drei Jahrhunderte europäischer Musik und behält dabei doch seine Wurzeln im Blick. Die interpretative, schöpferische Kraft zieht der bärtige Gitarrist aus seiner Liebe zur Natur, wie er verrät.
Freie Zeit verbringt Havenstein gerne auf seiner Pferdefarm in Argentinien, ansonsten reist und spielt er viel. Das Live-Erlebniss bei der Nachtmusik ist raumfüllend. Zum Konzept gehört die freie Platzwahl ganz ohne Stühle. "Wiederholungstäter" sitzen auf Kempen-Klassik-Falthockern, andere geniessen stehend. In dieser freien Atmosphäre fällt trotz individueller Wahrnehmung eines auf: die einmalig hochwertige Art, in der der Agentinier sein Instrument bedient. Seine griff- und spieltechnische Virtuosität ist nicht etwa platt und mechanisch, sondern wird von feiner Sensibilität und feinem Klang getragen. Letzte Akkorde klingen aus und verhallen, dann geht es durch die Nacht nach Hause.
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