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Rheinische Post, Donnerstag, 27.11.2008
Autobiografische Kammermusik spielte das Mandelring-Quartett am Dienstagabend in der Kempener Paterskirche. Die Geschwister Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt und Roland Glassl wussten zu überzeugen.
VON GERT HOLTMEYER

KEMPEN
In Kempen seien mehr Zuhörer als sonst zum Konzert des Mandelring Quartetts gekommen, stellte Komponist Stefan Heucke erfreut fest. Noch mehr durfte er sich freuen, dass das Publikum im Kulturforum Franziskanerkloster das anspruchsvolle Programm annahm und die Leistungen der Künstler zu würdigen wusste.

Das zweite Kempener Kammerkonzert wurde in Kooperation mit dem Kultursekretariat NRW Gütersloh durchgeführt, das Heucke beauftragt hatte, die insgesamt zehn Auftritte des Mandelring Quartetts zu moderieren. Das war sinnvoll, denn die aufgeführten Werke waren nicht einfach zu hören. Heucke machte das sehr gut, er beschränkte sich auf wichtige Informationen und hielt sich als Person im Hintergrund.

Schwierig zu spielende Werke

Auf dem Programm stand "Autobiografische Kammermusik", konkret: das erste Streichquartett von Bedřich Smetana "Aus meinem Leben", das zweite Quartett "Intime Briefe" von Leoš Janáček und Stefan Heuckes 2007 entstandenes Quartett op.51.

Das Mandelring Quartett mit den Geschwistern Sebastian, Nanette (Violine) und Bernhard Schmidt (Violoncello) sowie Roland Glassl (Viola) erwies sich als kompetentes Team. Den schwierig zu spielenden Werken begegneten die Musiker mit souveräner instrumentaler Technik und hoher Gestaltungskultur. Bei Janáček wurde deutlich, wie sehr sich der 1854 geborene mährische Komponist schon der Modernität der Musik des 20. Jahrhunderts annäherte, bei Smetana konnten alle vier, besonders auf der Bratsche und dem Cello, beweisen, dass sie Kantilenen zum Klingen bringen können.

Die Verbindung von modernem Klang und traditionellen Kompositionstechniken charakterisierte Heuckes Komposition. Von Bach übernahm er, Buchstaben seines Namens in Töne zu setzen; kontrapunktische Prinzipien wurden ebenso zur Verarbeitung der Motive eingesetzt wie Elemente der Zwölftonmusik. Dank Heukes Einführung und dank der sorgfältigen Einstudierung durch "die Mandelringe" waren die Strukturen der Komposition deutlich zu erkennen.

Er hätte sein Quartett "Mein Leben bis jetzt“ nennen können, erläuterte Komponist Stefan Heucke, der seine gesundheitliche Krise mit Mitte 20 musikalisch in deutlichen Gegensatz zu glücklicheren Zeiten brachte.

Das aber sei ihm zu banal gewesen, so habe er auf eine Überschrift verzichtet. Aber mit der Absicht, die eigene Biographie zum Ausgangspunkt einer Komposition zu machen, knüpfe er nahtlos bei Smetana und Janáček an.


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