|
Rheinische Post, Freitag, 12.12.2008
|
|
Beim Konzertbeginn mit Franz Schuberts A-Dur-Sonate war in der Kempener Paterskirche noch nicht unbedingt abzusehen, dass im dritten Konzert der Reihe "Kammermusik" noch ganz exzellente Darbietungen zu erwarten waren.
|
KEMPEN (GHo) Schuberts op. 162 erschließt sich etwas schwerer als vieles andere des Wiener Meisters; nur gelegentlich schimmert das Eingängige der Lieder, der Sinfonien oder zahlreicher anderer Kammermusikwerke durch. Leonidas Kavakos (Violine) und Péter Nagy (Klavier) näherten sich dem Werk mit der gebotenen kammermusikalischen Subtilität. Technisch wurden sie nur bedingt gefordert, musikalisch nahmen sie ihre Aufgabe ernst und spielten dynamisch und klanglich differenziert.
Souveräne Spieltechnik
Bewundernswert wurden die Leistungen der beiden Musiker bei den folgenden beiden Kompositionen, der während des Ersten Weltkrieges entstandenen Sonate für Violine und Klavier von Leo Janácek und der 1922 uraufgeführten Sonate Nr. 1 Sz 75 von Béla Bartók. Schon bei Janácek wurde deutlich, dass Kavakos über eine souveräne Technik und einen beachtenswert großen, dabei sehr modulationsfähigen Ton verfügt. Musikalisch erwiesen sich Kavakos und sein Klavierpartner Nagy als kompetente Interpreten für die Musik des 20. Jahrhunderts, die man üblicherweise noch immer modern nennt.
Apropos modern. So fragwürdig es einerseits ist, eine vor mehr als 80 Jahren komponierte Musik heute noch als neu einzustufen, so verblüffend ist andererseits zu konstatieren, dass gerade Bartóks leider nur selten aufgeführte Violinsonate noch immer modern wirkt. Modern nicht im Sinn von modischem Effekt, sondern in dem Sinn, dass hier wirklich Bahnbrechend Neues geschaffen wurde, das noch heute durch seine Kühnheit fasziniert zumal in einer so hervorragenden Wiedergabe.
Dass nach einem für die Künstler physisch anstrengenden Programm noch zwei Zugaben zu hören waren, sollte nicht als Selbstverständlichkeit bewertet werden. Aber da es offensichtlich keine konditionellen Probleme gab, durfte sich das begeisterte Publikum noch an Fritz Kreislers virtuosem Leckerbissen "La Gitana" und am langsamen Satz der d-moll Violinsonate von Johannes Brahms erfreuen.
Das Konzert wurde von WDR 3 aufgenommen. Sendetermin ist laut Sender am Donnerstag, 26. Februar 2009, um 20.05 Uhr in der Reihe "Kammerkonzert NRW"
Der Artikel als PDF ( KB)
|
|