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Rheinische Post, Montag, 22.12.2008
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Die Kölner Akademie und Gesangssolisten führten in der Kempener Paterskirche das Weihnachtsoratorium "Das größte Kind" von Johann Mattheson auf. Heute wird eine Aufnahme dieses Konzertes im Radio ausgestrahlt.
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VON GERT HOLTMEYER
KEMPEN Gäbe es für Konzerte Rating-Einstufungen wie bei der Börse, so wäre für das dritte Konzert der Reihe "Musica antica e viva" die Kategorie AAA angebracht. Im ausverkauften Kulturforum Franziskanerkloster war dank hervorragender Leistungen der Gesangssolisten und des Kammerorchesters "Kölner Akademie" unter der Leitung von Michael Alexander Willens eine Aufführung zweier barocker Weihnachtskantaten zu hören, die Maßstäbe setzte. Auf dem Programm standen zwei Hamburger Komponisten: Georg Philipp Telemann und Johann Mattheson, beide wurden 1681 geboren.
Besondere Beachtung verdient die Wiedergabe des Weihnachtsoratoriums "Das größte Kind" von Johann Mattheson. Mattheson war einer der bedeutendsten Musiktheoretiker seiner Zeit, der zum Beispiel wesentliche Impulse zur Entwicklung der heute üblichen sogenannten temperierten Klavierstimmung lieferte. Wenn seine Kompositionen nur selten zu hören sind, liegt das vor allem daran, dass das Notenmaterial lange verschollen war und erst nach und nach mühsam herausgegeben wird.
Vier weitgehend unbekannte Weihnachtsoratorien schrieb Mattheson. Mindestens von dem in Kempen aufgeführten aus dem Jahre 1720 lässt sich sagen: Das hat es in sich. Verglichen mit dem berühmten Weihnachtsoratorium von Bach ist die Grundkonzeption von ganz anderem Charakter. Die zarten, pastoralen Elemente kommen bei Bach stärker zum Zuge, das Triumphale, das Schmettern der Hörner und Trompeten dominiert bei Mattheson. Das ist nicht zuletzt an den Chorälen festzumachen, denen Mattheson häufig schwungvolle Fanfaren-Klänge beimischt. Stilistisch erinnert das Werk weniger an Bach als an Händel, an den sich leicht Assoziationen einstellen. von der Wasser- und Feuermusik bis zum Messias-Halleluja.
Die Wiedergabe war, wie auch die der Telemann-Kantate "In Dulci Jubilo", den Prinzipien der historischen Aufführungspraxis verpflichtet, alte Instrumente und barocke Tonbildung der Instrumentalisten und Sänger mit eingeschlossen. Dabei hatte die Rückbesinnung auf frühere Aufführungspraktiken nichts Museales an sich, im Gegenteil. Lebendig und schwungvoll ging es zur Sache. Dabei waren die Schwierigkeiten für die Ausführenden nicht gering, auch wenn sie, wie etwa die anspruchsvollen Koloraturen, den Solisten keine Probleme bereiteten. Wie wahrscheinlich schon zu Matthesons Zeiten wurde auf einen Chor verzichtet. Sein Part wurde von dem hervorragen Solisten-Oktett übernommen.
Ein kleiner Tipp an alle Konzertagenturen: Machen Sie von dieser Einstudierung möglichst schnell Termine für den nächsten Advent, ehe Ihnen andere zuvorkommen. Es lohnt sich!
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