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Westdeutsche Zeitung, Montag, 19.01.2009
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Konzert Babette Haag an der Marimba überzeugte mit Spielfreude, Vielfalt und einer tiefen Klang-Philosophie. Am Freitag gastierte die Musikerin in der Paterskirche.
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Von Tom Krebs
Kempen. Die Musik ist bereits in vollem Gange. Nach und nach plätschern genau 93 Gäste in die Paterskirche des Kulturforums Franziskanerkloster, wo Babette Haag aufspielt - eine rotblonde Frau mit vier Klöppeln auf ihren Händen. Im Rahmen der Reihe "Nachtmusik" gastierte die Percussionistin in Kempen und führte eine Stunde lang durch das faszinierende Reich ihres Schlag-Instrumentes und damit über fünf Oktaven Palisanderholz.
Es war klug von Haag, eine nette Einführung zu geben, in der sie von den afrikanisch-asiatischen Wurzeln der Marimba erzählte. So gestärkt konnte die musikalische Reise über Kontinente und Klangräume hinweg beginnen.
Anfang dieser Odyssee: Japan zur Kirschblüte. Die verzaubernde Wärme der Holzklangplatten contrapunktierte Haag gekonnt mit der klirrenden Kälte oberer Oktaven und erstrahlte so im unfassend-mächtigen Klang des vollmundigen Solos.
Dann: Johann Sebastian Bachs Cello-Suite Nr. 4, Es-Dur. Nach respektvoller Annäherung an den barocken Großmeister präsentiert Babette Haag die Teilstücke hölzern, aber nicht steif. Diese distanzierte Wärme wird vom Hall der Kirche getragen, weitaus weicher als am Cembalo. Minimale Halbtöne patzt Haag, was sie aber sofort und mit sensationeller Dynamik wieder gutmacht.
Dann: Französisches zum Niederlegen und Entspannen. Erklärungen zur Spieltechnik. Breite Flächen, meist auf zwei Schlägeln aufgebaut, tasten sich in Sachen Tiefenwirkung vor und erklingen schallend schön.
Jetzt: Brasilien! Kindlich lustige Melodien, sehr spielintensiv. Der vierstimmige Satz erklingt erneut als Fläche, als eigenständiger Raum. Wie ins Feuer starrend werden Ur-Instinke wach, gipfelt die Verträumtheit in konkrete Wahrnehmung.
Babette Haag versteht es, die Essenz der Marimba in allen Facetten zu kredenzen. Die Zuhörer dankten es ihr mit einem herzlichen Applaus.
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