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Rheinische Post, Freitag, 23.01.2009
Der Kontrast war erheblich. Die russische Pianistin Anna Vinnitskaya begann ihr Konzert am Mittwochabend in der Reihe "Klavier extra“ in der Kempener Paterskirche mit der "Pavane auf den Tod einer Infantin" des 24-jährigen Maurice Ravel (1899), deren alsbald eintretender weltweiter Erfolg dem Komponisten ein wenig unheimlich vorkam.
KEMPEN (mm) Denn er brach bald zu neuen Ufern auf. 1905 entstanden die fünf unter dem Titel "Miroirs" (Spiegelungen) vereinigten Stücke, die die Pianistin auf die "Pavane" folgen ließ.

Eine 'Pavane' ist ein ruhiger Schreittanz, klar gegliedert und gut durchhörbar, im Fall Ravels von eingängiger Melodik, in einer aparten Harmonik gefasst. Anna Vinnitskaya nahm das Stück sehr ruhig (langsamer als Ravel in einer Aufnahme von 1923), mit guter Balance der leicht hervorgehobenen Melodie zu den Begleitstimmen.

Und dann die "Miroirs". Ravel selbst kommentierte, dass die fünf Stücke, in der Entwicklung seiner Harmonik eine beträchtliche Wandlung markierten. Aber es ist nicht nur die avancierte Harmonik, sondern auch der vielschichtige Satz und damit auch die höchst anspruchsvolle Klavierkunst, die hier bewältigt werden wollen. Vinnitskaya spielte mit klarem, runden Ton und hervorragender Abtönung der verschiedenen Schichten des Klaviersatzes. Dass dazu eine genau austarierte Behandlung des Pedals gehört, versteht sich von selbst. Die leichten Rubati waren nach allem, was man von seinem Klavierspiel weiß, durchaus im Sinne des Komponisten.

Nuancenreich gelangen die "Oiseaux tristes" mit ihrem sich immer wiederholenden fahlen Einzelton und dem Amselruf, gut abgewogen die auf- und abrauschenden Arpeggien der "Barque sur l’0cean", wunderbar die exquisite Klang-Atmosphäre der übrigen Stücke ist die "Alborada del gracioso" (Nr. 4), das Morgenständchen des Spaßmachers: Abgefeimte Pianistik für das ganz leichte Staccato, die Martellato-Effekte und die doppelten Glissandi, dargeboten mit hinreißendem Schwung.

Nach der Pause zunächst César Francks "Präludium, Choral und Fuge". Im Präludium wechseln arpeggierte mit akkordischen Partien, die chromatisch absteigende Fuge wartet mit pianistisch dankbaren Steigerungen auf.

Zum Schluss noch einmal entfesselte Pianistik in Prokofjews Sonate B-Dur op.83 (1942), der erste Satz mit einem geradezu teuflisch-schweren Beginn, daneben sensibel ausgespielte Lyrik, im Mittelsatz ruhiger Fluss mit einer großen Steigerung, der Finalsatz mit dem vielsagenden Titel "Precipitato". In der Tat "kopfüber" stürzte sich die Pianistin ins Tastenabenteuer und ging triumphierend aus ihm hervor.


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