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Home arrow Pressespiegel arrow Ein Streifzug durch die Romantik
Rheinische Post, Montag, 09.02.2009
Auch wenn die Geburtsjahre der aufgeführten Komponisten fast 100 Jahre auseinanderliegen: Das Programm des vierten Klosterkonzerts der Reihe "Kammermusik" lotete stilistisch verschiedene Facetten der musikalischen Romantik aus.
KEMPEN (gho) In der Paterskirche begann das aus den Niederlanden angereiste Duo Pieter Wispelwey (Violoncello) und Paolo Giacometti (Klavier) mit den eingängigen drei Fantasiestücken (op. 73) von Robert Schumann. Wispelwey spielte sie flüssig, mit einem schlackenlosen blühenden Ton bei den langsamen, mit Temperament bei den schnellen Partien. Dass er keine technischen Probleme kennt, wurde schon hier deutlich, wenn auch im Laufe des Abends die Anforderungen noch höher wurden ohne dass dies bei ihm oder seinem Klavierpartner zu Problemen geführt hätte.

Kraftvoll-vital

Der 96 Jahre nach Schumann geboren Dimitri Schostakowitsch, der unter der stalinistischen Diktatur nicht immer so komponieren durfte wie er wollte, entwickelte eine beachtenswerte stilistische Vielseitigkeit. Seine 1934 entstandene d-moll Sonate ist an der Klangwelt der Spätromantik orientiert und wirkte stellenweise fast wie eine konsequente Weiterentwicklung Schumanns. Mitunter ging es motorisch-ostinat zur Sache, wobei sich auch Giacometti durch kraftvoll-vitales Spiel auszeichnete.

Ein musikalisches Bonbon war die Davidov-Bearbeitung der drei Chopin-Walzer Als ob diese auf dem Cello nicht schon schwer genug zu spielen wären, wurden die Schwierigkeiten durch abenteuerliche Doppelgriffe noch potenziert. Je schwerer es wurde, desto mehr Spaß bekam Wispelwey an der Wiedergabe. Folgerichtig schreckte er auch nicht vor effektvollen Temposteigerungen zurück.

Sergej Rachmaninows g-moll-Sonate aus dem Jahre 1901 hat mit ihren 35 Minuten zwar einige Längen. Aber mit dem Wechsel zwischen intensivem Ton in den elegischen Passagen und lockerer Bogenführung in den schnellen Sätzen war für Abwechslung gesorgt, zumal auch Paolo Giacometti seine Aufgabe als gleichberechtigter Partner souverän erfüllte.

Unter dem Aspekt der Gleichberechtigung wirkte es etwas unglücklich, dass der Pianist bei der Zugabe vor der Tür blieb. Allerdings ließ Wispelwey mit der Sarabande aus Bachs sechster Solo-Suite D-Dur erkennen, dass er nicht nur ein kompetenter Interpret der Romantik ist, sondern auch bei alter Musik die Prinzipien historischer Aufführungspraxis berücksichtigt.


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