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Home arrow Pressespiegel arrow Hohe Kunst an der Blockflöte
Rheinische Post, Dienstag, 17.02.2009
Für manchen jungen Nachwuchsmusiker, der in den 1950er und 1960er Jahren mit mäßig schweren Werken von Georg Philipp Telemann sein Geigen- oder Flötenspiel zu verbessern suchte, galt der Bach-Zeitgenosse damals als Musterbeispiel für gepflegte Langeweile. Wenn heute Musik von Telemann und weniger bekannten Komponisten seiner Zeit ganz im Gegenteil kurzweilig, spannend und häufig heiter wirkt, liegt das an einer deutlich veränderten Aufführungspraxis...
Dorothee Oberlinger und das Ensemble 1700 traten in der Kempener Paterskirche auf.

VON GERT HOLTMEYER

KEMPEN


... Davon konnten sich Besucher des vierten Konzerts der Reihe "Musica antica e viva" in der Kempener Paterskirche einen überzeugenden Eindruck verschaffen.

Wie klang die Musik damals?

Der Gründer und langjährige Leiter des Ensembles "Musica Antiqua Köln" Reinhard Goebel hat sich nicht nur als Interpret Alter Musik einen Namen gemacht, sondern ist auch wissenschaftlich lange und intensiv der Frage nachgegangen, wie wohl die Aufführungen im 17. und 18. Jahrhundert tatsächlich geklungen haben könnten. Göbel und sein zehnköpfiges "Ensemble 1700" boten eine erfrischende Wiedergabe von Kompositionen Telemanns (1681-1767) sowie der weniger bekannten, etwas oder auch deutlich jüngeren Musiker-Kollegen Christoph Graupner (1683-1760) und Johann Christoph Schultze (1733-1813).

Nichts war mehr übrig geblieben vom Biederen und Tranigen vieler Telemann-Aufführungen früherer Jahrzehnte. Jetzt ist Dampf dahinter, vor allem die schnellen Sätze werden zum Genuss. Es geht spritzig, lebendig und temperamentvoll zur Sache. Erreicht wird die Wirkung vor allem durch schnelle Tempi sowie die durchgehend kräftige Betonung der ersten Note im Takt.

Überragende solistische Leistungen waren von Dorothee Oberlinger auf der Blockflöte zu hören, wenn auch leider nicht auf allen Plätzen gleich gut. Die Solistin stand hinter dem Orchester. Das war gewiss für das Zusammenspiel zweckmäßig. Aber schon in den vorderen Reihen klang das Orchester gegenüber der Solistin zu dominant. In den hinteren Reihen, so war in Pausengesprächen zu hören, war von der großartigen Solistin nicht mehr viel zu hören. Auch das von Lorenzo Alpert virtuos gespielte Fagott - weit weniger kräftig als die heute üblichen Instrumente - konnte sich nicht genug gegen das zwischen ihm und dem Publikum sitzende Orchester durchsetzen.

Unabhängig von der unglücklichen Platzwahl für die Solisten ist festzuhalten, dass ausgezeichnete Leistungen und authentische Interpretationen das Publikum begeisterten. Als energisch geforderte Zugabe wurde noch ein Satz aus Telemanns C-Dur-Blockflöten-Konzert vorgetragen.


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