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Home arrow Pressespiegel arrow Haydn-Musik trifft Roma-Klänge
Rheinische Post, Dienstag, 24.03.2009
Erfreulicherweise wird das Haydn-Jahr dazu genutzt, den bedeutenden Komponisten häufiger zu spielen und darüber hinaus auch die weniger bekannten Seiten des Österreichers vor dem Vergessen zu bewahren.
KEMPEN (gho) Paul Gulda, Pianist wie sein Vater Friedrich, geht seit längerem der Frage nach, wo und wie Haydn wohl zu seinen häufigen musikalischen Einfällen "alla Zingarese" gekommen ist. immer wieder stößt man in Haydns Musik auf Wendungen, die von "Zigeunermusik", der musikalischen Folklore osteuropäischer, vor allem ungarischer, rumänischer und slowakischer Roma angeregt wurden.

Wie diese Musik, die Haydn höchstwahrscheinlich in der Umgebung des ungarischen Schlosses Esterhazy hörte, damals genau klang, ist heute nicht bekannt. Aber nicht das wollte Gulda wissen. Ihm ging es gewissermaßen um eine Rück-Kopplung: Wie klingt es heute, wenn sich eine Roma-Kapelle mit Haydns Themen "alla Zingarese" befasst?

Für die authentische Haydn-Wiedergabe kam Gulda mit vier kompetenten, klassisch ausgebildeten Streichern - Anna Kandinsky und Ingrid Sweeney (Violine), Alexander Znamenskiy (Viola) und Margarethe Deppe (Violoncello) zum fünften "Musica antica e viva" -Konzert ins Kulturforum Franziskanerkloster. Zu hören waren von dieser Besetzung ausgesuchte "alla Zingarese"-Sätze, unter anderem aus Haydns G-Dur-Klaviertrio und den Streichquartetten op. 33/3 und 77/1.

Zwischen den Sätzen griff die siebenköpfige slowakische "Roma-Banda - Gigánski Diabli" die gespielten Haydn-Themen auf. Nicht nur durch die Vitalität des Spiels begeisterte dieses Septett sein Publikum, sondern auch durch exzellente solistische Leistungen, vor allem des Cymbalisten Ernest Sarközi, des Primgeigers Stefan Banyák und des Klarinetten- und Tárogató-Spielers Zoltán Grunza.

Weil es Paul Gulda nicht genügte, die beiden Ensembles abwechselnd spielen zu lasen, schuf er zwei Gelegenheiten zum Zusammenwirken. Beim Rondo aus dem D-Dur-Klavierkonzert übernahmen "Klassiker" und Roma-Musiker den Orchesterpart gemeinsam. Und im letzten (von Gulda konzipierten) Stück des Abends fanden beide Ensembles von zunächst sehr unterschiedlichen stilistischen Ansätzen immer mehr zu musikalischer Gemeinsamkeit, mit Haydn-Themen als Ausgangs- und Treffpunkten. Das Publikum war begeistert.


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