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Rheinische Post, Montag, 22.06.2009
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GANZ GROSSE KUNST
Nach dem geglückten Start am Freitag folgte mit Hindemiths "Das Marien-Leben" am zweiten Tag des "Kempen Musik Festival" eine außergewöhnlicher Aufführung. Dafür sorgte nicht nur Star-Schauspieler Bruno Ganz.
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VON GERT HOLTMEYER
KEMPEN Beim "Kempen Musik Festival" begnügt man sich nicht mit einem anderswo zwar erfolgreichen, letztlich aber fraglichen Rezept: Hier geht es nicht darum, mit großen Namen und bedeutungslosen, aber populären Programmen die Säle zu füllen und sich dann selbst für "Events" oder "Highlights" zu loben. In Kempen wird die Zugkraft großer Namen vielmehr dazu eingesetzt, künstlerische Qualität zu vermitteln. Damit gelang es, auch noch die zusätzlich aufgebauten Stuhlreihen in der ausverkauften Paterskirche zu füllen.
Zahlreiche Besucher waren von auswärts zum Festival angereist
Weil Paul Hindemiths Vertonung von Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus "Das Marien-Leben" in der Urfassung von 1922/23 ein anspruchsvolles Werk ist, dessen Verständnis einige Vorkenntnisse erfordert, wurde sinnvollerweise eine Einführung angeboten. Zwar habe er gehofft, gestand der musikalische Chef-Organisator Peter Landmann, dass von diesem Angebot Gebrauch gemacht würde. Dass allerdings die Stühle im Rokokosaal bei den inhaltlich und rhetorisch ausgezeichneten Ausführungen der WDR-Redakteurin Ulrike Gondorf nicht ausreichen würden, habe ihn positiv überrascht. Es liegt auf einer Linie, dass das Publikum mit bemerkenswert großer Konzentration dem Konzert folgte. Und dass zahlreiche Besucher von auswärts angereist waren, beweist die überregionale Bedeutung, die das Kempener Musikleben inzwischen erlangt hat.
Nicht einfach den Liederzyklus vortragen zu lassen, sondern vor jeder Vertonung den Gedicht-Text zu rezitieren, war ein guter Gedanke. Das gesprochene Wort diente der Verständlichkeit, die Rezitation gab darüber hinaus der literarischen Bedeutung und dem Eigenwert der Texte Gewicht. Dass für diese Aufgabe der berühmte Bruno Ganz gewonnen werden konnte, war ein doppelter Glücksgriff. Zum einen erwies sich der Charakterdarsteller als das erwartete "Zugpferd". Noch wichtiger aber ist, dass er Rilkes Gedichte in mustergültiger Weise rezitierte, wobei er unpathetisch mit perfekter Aussprache den Sinn verdeutlichte.
Ebenso hohe Anerkennung verdienen die musikalischen Leistungen. Die Sopranistin Christiane Iven und die Pianistin Liese Klahn gestalteten ihre schwierigen Partien ohne Fehl und Tadel. Die Dankbarkeit des Publikums für die große Leistung der Akteure und die stimmige Konzeption der Veranstaltung äußerte sich in langem Beifall und stehenden Ovationen.
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