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Rheinische Post, Dienstag, 23.06.2009
ERGRIFFEN VON WORT UND MUSIK
Ein wunderbarer Abschluss des Kempen Musik Festivals: Mit "Notturni - Nachtgedanken" entließ der Verein Kempen Klassik am Sonntagabend in der Paterskirche sein Publikum nach drei Tagen voller Musik und Literatur.
VON SILVIA RUF-STANLEY

KEMPEN
Bestimmt wurde das Abschlusskonzert von reizvollen Gegensätzen. Hier Musik mit barocker Prachtentfaltung, auf der anderen Seite mit Georg Trakl, Franz Kafka, Stefan Zweig, Berthold Viertel, Ödön von Horváth, Arthur Schnitzler und Peter Altenberg die eher schwierigen, unbequemen Dichter an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. "In hohen Bäumen ist ein Nebelspiel" rezitiert Bruno Ganz Hugo von Hofmannsthal und taucht ebenso wie aus dem Nichts am Rednerpult auf. Seine sonore, weiche Stimme beherrscht in Sekunden den weiten Raum der Kempener Paterskirche. Mucksmäuschenstill ist es, gespannte Aufmerksamkeit beherrscht den Raum.

Ein glänzender Bruno Ganz

Bruno Ganz schafft es, die Stimmung der Texte zu vermitteln. Sei es Melancholie wie bei Kafkas "Plötzlichem Spaziergang" oder ein Schmunzeln bei "Die Vorüberlaufenden", ebenfalls von Kafka. Dann gibt es aber auch die nachdenklichen Momente, wenn er aus der "Phantastischen Nacht" von Stefan Zweig liest. Wo ist Traum, wo Wahrheit? Was ist im Dunkel geschehen? Der Zuhörer ist ergriffen, auch dank der zurückhaltenden Mimik und Gestik von Ganz. Die ganze Sprachfülle der Dichter entfaltet sich hier auf einfache Weise.

Faszinierend dazu die Musikauswahl von Werner Ehrhardt und seinem Ensemble "L’Arte del Mondo". Durch das gesamte Konzert zieht sich die "Serenade B-Dur" von Michael Haydn. Der jüngere Bruder von Joseph Haydn arbeitete jahrzehntelang als Vizekapellmeister mit Wolfgang Amadeus Mozart - ein Einfluss, der unüberhörbar ist. Seine Serenade gibt den Musikern des Kammerensembles immer wieder die Möglichkeit, die solistischen Talente hervorzubringen. Besonders schön Reinhold Friedrich mit der selten gehörten Naturtrompete. Dazu gesellt sich mit Josef Myslivecek ein ebenfalls unbekannterer Komponist. Seine Notturni für Soprane und Orchester bezaubern durch Christiane Iven und Christina Landshamer, die mit ihren vollen Sopranstimmen das Orchester aufs Beste ergänzen.

Fehlen darf aber natürlich nicht der große Zeitgenosse der beiden, Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Arie der Susanna aus "Le Nozze di Figaro" alle Hoffnungen auf eine Liebesnacht beinhaltet. Passt doch dazu, dass gerade in diesem Augenblick die letzten Sonnenstrahlen des Tages durch die Fenster der Paterskirche leuchten.

Improvisiertes Finale

Den Abschluss bildete wie immer ein improvisiertes Finale. "Wir haben noch nie so viel improvisiert wie heute", so der künstlerische Leiter von Kempen Klassik, Peter Landmann. Denn es konnte nur eine kurze Verständigungsprobe geben. Kurzfristig war Pianist Tobias Koch eingesprungen, der sich locker auf ein Couplet von Friedrich Holländer mit der Sopranistin Christiane Iven und einen feurigen Tango "Jalousie" einließ. Händels Wassermusik, schottische Impressionen, mazedonische Musik, der "Trompeter von Säckingen" und "Heinzelmännchens Wachparade" - das Finale glich einem Streifzug durch Europa und die Musikgeschichte. "Zum reinen Vergnügen, Sachen zu machen, die Spaß machen", so Landmann.


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