Aktuelles
Konzertkalender
Klosterkonzerte
Karten / Abonnements
Archiv
CDs
Wir über uns
Pressespiegel
Home arrow Pressespiegel arrow Schuberts "Winterreise" ersetzt Beethoven-Abend
Rheinische Post, Freitag, 02.10.2009
Eigentlich wollte Andreas Haefliger ja wie gewohnt allein zum ersten Konzert der Reihe „Kiavier extra" kommen und seinen Zyklus "Perspectives on Beethoven" mit der achten Folge weiterführen.
VON GERT HOLTMEYER
KEMPEN Aber mit der intensiven Vorbereitung eines anderen Vorhabens, einer Welturaufführung, lief ihm die Zeit davon. Und da er schon häufiger in Kempen zu Gast war, widerstrebte es ihm, Bekanntes aus seinem Repertoire zu wiederholen. So machte er aus der Not eine Tugend und brachte den renommierten österreichischen Bariton Wolfgang Holzmair mit in die Paterskirche. Auf dem Programm stand einer der ergreifendsten Liederzyklen, die je komponiert wurden: Franz Schuberts"Winterreise" (D 911).

Ganz nebenbei stellte Haefliger bei dieser Gelegenheit unter Beweis, dass er sich nicht nur aufs solistische Metier versteht, sondern auch als sensibler Begleiter beeindruckt. Technische Probleme hat er ohnehin nicht, einfühlsam zeichnet er die musikalischen Konturen. Ein wenig dominierte anfangs das Klavier, was auch eine Folge des sehr weit geöffneten Steinway-Flügels sein mochte. Im Laufe des Abends wurde die dynamische Abstimmung zwischen Sänger und Pianist aber immer filigraner.

Bariton Wolfgang Holzmair faszinierte durch seine sängerischen Qualitäten, seine musikalische Gestaltung und seine künstlerische Ausstrahlung. Ohne jedes falsche Pathos interpretierte er die erschütternd schwermütigen Lieder ("wie weit noch bis zur Bahre"). Holzmairs Stimme ist perfekt ausgebildet. Er verfügt über einen großen Tonumfang, die Höhe bereitet dem Sänger genau so wenige Probleme wie die Tiefe. Auch bekannte, sonst oft losgelöst vom Zyklus vorgetragene Lieder wie das vom Lindenbaum, faszinierten durch die subtile Beachtung der inhaltlichen und musikalischen Gegensätze zwischen trügerischer Idylle und tatsächlicher Depression.

Ein Text- oder Notenbuch benötigte Holzmair nicht, er beherrschte sein gesamtes Pensum auswendig, einschließlich der Zugabe. Mit dieser blieb das Duo nicht nur bei Schubert, sondern auch im Rahmen der wehmütigen Lieder. Aus dem Zyklus "Schwanengesang" hörte das begeisterte Publikum noch die Heinrich-Heine-Vertonung "Ihr Bild“ ("Ich stand in dunklen Träumen und starrt' ihr Bildnis an).

Diese Programmänderung zum Saisonauftakt hat wohl niemand bedauert. Im Übrigen spricht ja auch nichts dagegen, dass Andreas Haefliger zu einem späteren Zeitpunkt wieder einmal allein nach Kempen kommt und dann das begonnene Beethoven-Projekt fortsetzt.


Der Artikel als PDF ( KB)