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Home arrow Pressespiegel arrow Händel, wie er besser nicht sein kann
Rheinische Post, Dienstag, 13.10.2009
Ein Kritiker von Peter Neumanns CD-Aufnahme von Händels Oratorium "Theodora" meinte feststellen zu müssen, der Dirigent gehe über weite Strecken "allzu betulich" zu Werke. Der Mann muss Stopfen in den Ohren gehabt haben.
KEMPEN (mm) Vielleicht hätte ihm auch die Aufführung der "Theodora" in der Kempener Paterskirche mit dem Kölner Kammerchor, dem Collegium Cartusianum und erstklassigen Solisten die Ohren nicht geöffnet. Zu hören war jedenfalls eine in allen Teilen und Hinsichten vorzügliche Aufführung, alles andere als eintönig.

Beginnen wir mit demn Collegium Cartusianum, dem Instrumentalkörper, den sich Peter Neumann seit langem aufgebaut hat und mit dem er souverän verwirklicht, was er sich musikalisch vorgenommen hat. Die Orchestergruppen sind vorzüglich aufeinander abgestimmt, die einleitende Ouvertüre ist dank der alten Instrumente nicht kopflastig timbriert und hat ein gesundes Bassfundament. Die schnellen Teile kommen präzise und gehörig konturiert.

Der Chor hat in der "Theodora" abwechselnd die "Heiden" und die "Christen" zu vertreten. Mit dem ersten Heidenchor setzt er in der 1. Szene schwungvoll-präzise ein, ausgeglichen in den verschiedenen Stimmlagen, reaktionsschnell, wenn nötig, kräftig, aber nie schrill. Der Chor am Ende des 1. Aktes gelingt beeindruckend nachdrücklich, gleich darauf (Akt 2/1) folgt herrlich kraftvoll die Anrufung an die Götter des Sommers und der Venus. Tadellos genau die Intonation schließlich im chromatischen Chor "How strange their Ends" (Akt 3/5).

Vorzügliche Solisten

Ihren gewichtigen Anteil am Oratorium hatten die vorzüglichen Solisten. Gleich zu Beginn imponiert der Bassbariton Andreas Wolf in der Rolle des Statthalters Valens mit machtvoller, runder, flexibler Stimme. Großartig der Drohton seiner Arie "Racks, Gibbets" (1/1) zu den Orchestersynkopen oder die wilde Arie "Ye ministers" (3/5). Der Altus Alex Potter in der Rolle des Didymus brachte für seine Rolle kraftvolle Beweglichkeit mit der nötigen Expressivität ('Kind Heav'n 1/6). Bewegend gelang das Duett mit der Titelfigur Theodora (Ende 2/5).

In dieser Rolle brachte Johannette Zomer ihren prachtvollen Sopran zur Geltung: Anrührend in der Arie "Angels ever bright" (l/5), rasch und leidenschaftlich im Duett "Whither Princess" (3/3) mit dem rund und tragfähig tönenden Mezzosporan ihrer Gefährtin Irene (Wiebke Lehmkuhl). Für den Offizier Septimius brachte Virgil Hartinger einen kraftvollen, in der Höhe mühelosen und im Timbre differenzierten Tenor mit. Wunderbar seine im Tanzrhythmus angelegte Arie "From virtue springs" (3/5). Das alles unter der famosen Leitung des inspirierenden Erzmusikers Peter Neumann: Händel, wie er besser nicht sein kann.


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