|
Rheinische Post, Freitag, 30.10.2009
|
|
Ganz der deutschen Romantik verpflichtet war das zweite Klosterkonzert der Reihe Kammermusik.
|
VON GERT HOLTMEYER
KEMPEN
Die lettischen Schwestern Baiba und Lauma Skride, beide Mitte 20, überzeugten in der Kempener Paterskirche mit tadellos gespielten Violinsonaten von Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms.
Ausgewählt waren drei Sonaten für Violine und Klavier, die einerseits als typisch romantische Stücke des 19. Jahrhunderts gut zueinander passten, andererseits doch deutliche Unterschiede im Grundcharakter aufwiesen. Schuberts a-moll-Sonate ist von melancholischer Grundstimmung durchzogen, vergleichsweise fröhlicher ist Mendelssohns F-Dur-Sonate gehalten. Brahms A-Dur-Sonate ist heiterer verfasst als seine beiden anderen, fröhlicher auch als die von Schubert, etwas grüblerischer indessen als Mendelssohns Werk.
Diese feinen Differenzierungen waren in den Interpretationen von Baiba Skride (Violine) und Lauma Skride (Klavier) klar herauszuhören. Forte-Stellen wurden markant, fast robust angegangen. Mit bezaubernder Poesie wurden die Pianissimo-Passagen wiedergegeben. In den vergangenen Jahren hat es sich eingebürgert, auch bei Kammerkonzerten die Flügel-Abdeckung voll zu öffnen - als gelte es, sich gegen ein groß besetztes Sinfonieorchester zu behaupten. Darunter litt bei der Kammermusik glücklicherweise nicht durchgehend, aber doch gelegentlich die klangliche Balance. Vor allem im forte konnte sich trotz ihres voluminösen Tons Geigerin Baiba nicht ganz gegen ihre um ein Jahr jüngere Schwester durchsetzen. Bei leisen Stellen nahm sich dagegen Lauma Skribe so sehr zurück, dass die Mischung stimmte.
Präzises Zusammenspiel
Das spritzig-virtuose Element wurde nicht vergessen. Der letzte Satz der Mendelssohn-Sonate, Assai vivace, geriet mit bravouröser Technik und mitreißendem Temperament zum glanzvollen Schluss des ersten Teils.
An der Interpretation der zweiten Brahms-Sonate war genau so wenig auszusetzen wie an den beiden anderen Werken - auf das präzise Zusammenspiel wie auf die künstlerische Gestaltung bezogen. Das dankbare Publikum erhielt die gewünschte Zugabe mit einer weiteren Brahms-Komposition, dem c-moll-Scherzo.
Der Artikel als PDF ( KB)
|
|