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Rheinische Post, Donnerstag, 05.11.2009
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Nachtmusik in der Kempener Paterskirche ist immer wieder ein besonderes Erlebnis.
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VON SILVIA RUF-STANLEY
KEMPEN Durch den Verzicht auf die üblichen Stuhlreihen entsteht eine ungezwungene, fröhlich-leichte Stimmung, zu der der vorher gereichte Aperitif ja vielleicht beiträgt. Man lässt sich einfach auf mitgebrachten Hockern, Decken oder Kissen nieder, kann die Musik im Sitzen oder Liegen hören, herumwandern, ganz nach Gusto. Übrigens ist dem Publikum hoch anzurechnen, dass dadurch keine Unruhe entsteht, sondern die Konzerte stets hoch gespannte Aufmerksamkeit genießen.
Mit Gunther Tiedemann und Michael Villmow tat der Verein Kempen Klassik einmal mehr einen wahren Glücksgriff. "Kreuzüber Bach" nennen die beiden ihr Programm. Darin spielen sie im wahrsten Sinne mit der Suite Nr. 1 für Violoncello von Johann Sebastian Bach. Und die zwei mögen die bekannte Bach'sche Musik drehen und wenden, sie ganz neu interpretieren. Aber "überkreuz" sind sie mit Bach wirklich nicht.
Vielmehr hätte der alte Meister wahrscheinlich diebischen Spaß an dem gehabt, was die beiden daraus machen. Zumal sie einen hervorragenden Kunstgriff nutzen. Denn sie spielen mal mit Klavier und Saxophon oder auch mit Violoncello und Saxophon zunächst Bachs Originalmusik. Wobei das Saxophon, brillant von Michael Villmow gespielt, schon eine Improvisation ist, während Gunther Tiedemann am Klavier und Violoncello den klassischen Part übernimmt. Dann aber kommen die "Kreuzüber"-Stücke, bei denen die beiden nach Herzenslust nach bester Jazzmanier improvisieren. Aber immer bleibt das Ursprungsstück erkennbar. Und wer hätte gedacht, dass Bach in diesem Fall die vier Töne BACH, tatsächlich für ein ganzes Musikstück reichen? Und dazu noch ein Stück voller Vielfalt, so dass es in der Kirche fast andächtig still wurde.
Ein bildhaftes "Nordlicht" aus der Feder von Michael Villmow ließ passend zur Herbstwitterung leise Töne durch den Raum wehen. Wobei die Musiker, wie auch bei anderen Stücken, geschickt wechselnde Bühnen im Chorraum und in der Mitte des Raumes nutzten.
Spannungsgeladen ging es bei der "High Tide" von Günther Tiedemann zu. Wer die Flut am Meer schon einmal erlebt hat, konnte die Lautmalerei der Instrumente förmlich nachvollziehen. "Das war fast schon meditativ", fasste ein Besucher am Ende die Stimmung treffend zusammen.
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