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Rheinische Post, Dienstag, 15.12.2009
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Generationen von Klavierschülern erinnern sich seiner mit leisem Schaudern: des Beethovenschülers Carl Czerny, der die Klavierwelt mit über tausend Erzeugnissen zur Förderung der Fingergeläufigkeit bereichert hat.
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KEMPEN (-mm) Der dreißig Jahre junge Pianist Herbert Schuch bereitete sich und den Zuhörern bei seinem Klavierabend in der Paterskirche das instruktive Vergnügen, Czernys Variationen über den Sehnsuchtswalzer von Schubert dem Werk gleichen Titels von Robert Schumann gegenüber zu stellen.
Schuch inszeniert nicht sich selbst, sondern die Musik Welch ein Kontrast! Bei Czerny nach einer pathetischen Einleitung die schulmäßige Abfolge in der Behandlung des Themas: Triolen, Synkopen, Vorschläge, Sechzehntel und ein virtuoser Ausklang. Schumann dagegen zwingt den Zuhörer, die Ohren zu spitzen, um einzelne, fern allen geläufigen Schemata in den Klaviersatz verwobene Elemente des Schubertschen Originals zu entdecken. Erst ganz am Ende erscheint gewissermaßen als Bestätigung der unveränderte Sehnsuchtswalzer.
Schuch hatte begonnen mit einer Auswahl von fünf Walzern und Ländlern von Schubert. Abseits virtuoser Ansprüche hörte man Klavierspiel reich an Nuancen und unaufdringlichen Akzenten durch bewegliche Rhythmisierung. Sein großes pianistisches Format demonstrierte Schuch mit den selten zu hörenden Intermezzi op. 4 von Robert Schumann, wobei das Wort "demonstrieren" missverständlich ist: Schuch inszeniert nicht sich selbst - das hat er nicht im geringsten nötig -, sondern die Musik, und das auf höchst beeindruckende Weise. In Schumanns Intermezzi sorgt er gleich zu Beginn für plastische, klar konturierte Rhythmen. Der 6/8-Rhythmus der Nr. 2 hat Biss, ohne starr zu sein. Das Bizarre der Nr. 3 kommt sehr gut heraus, in der Nr. 4 überzeugt die genaue Abstimmung in der Lautstärke der beiden Hände. Schwungvoll gerät die Nr. 6 mit einem anmutigen Mittelteil.
Zum Schluss Chopins h-moll-Sonate. Schuch braucht da zu Beginn nicht zu donnern, um der Musik Nachdruck zu verleihen, er vertraut auf Substanz und Kraft der Musik. Blitzende Klangkaskaden im Scherzo, eindringlicher Gesang im Largo, unter Schuchs Händen entfaltet auch das Leise seine bezwingende Macht. Das Finale nimmt er nicht zu schnell, nie verliert er sich bei aller Griffsicherheit in bloße Tastenakrobatik. Nach starkem Beifallvervollständigt Schuch den glänzenden Eindruck von seinem Klavierspiel mit Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz" und einem ganz kurzen SSchubert-Walzer.
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