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Rheinische Post, Dienstag, 16.03.2010
Schon seit langem war das fünfte Konzert der Reihe Musica antica e viva ausverkauft. Hatte es sich doch herumgesprochen, dass die King's Singers nach Kempen kommen. Sonntagabend traten sie in der Paterskirche auf.
VON GERT HOLTMEYER

Das britische Vokal-Sextett erfreut sich nicht nur großer Beliebtheit, es bietet wirklich eine überdurchschnittliche Qualität. Das Konzert in der Paterskirche gab eine Kostprobe nicht nur von den stimmlichen Leistungen des Ensembles, sondern auch von der stilistischen Vielfalt. Dem Ernsten, Strengen, Religiösen und Meditativen war der erste Teil gewidmet. War der Charakter der ausgewählten Werke damit auch einheitlich konzipiert, so berücksichtigte das Programm doch sehr unterschiedliche Epochen und Hintergründe.

Das an den Anfang gestellte "Onnis on inimene" des Esten Cyrillus Kreek weckte Assoziationen an russische a-cappella-Tradition. Die Briten Richard Rodney Bennett und Bob Chilcott sowie die amerikanische Komponistin Patricia van Ness schufen eindrucksvolle Originalbeiträge für die King's. Auch wenn die Geburtsjahrgänge der Komponisten von 1540 bis 1954 reichten, so wirkte das Programm des ersten Teils wie aus einem Guss.

Hohe Gesangsleistungen

Die gesanglichen Leistungen sind frappierend. Dank einer mustergültigen Intonation wirken Akkorde wie in Stein gemeißelt, so exakt werden die Tonhöhen gehalten. Besetzt mit zwei Countertenören, einem Tenor, zwei Baritonen und einem Bass kann die Gruppe die Stimmen sowohl sehr eng führen als auch große Tonhöhen-Unterschiede zusammenbringen. Bei Bedarf wird wie in Bennett's "Poore intricated soule" die Besetzung auf ein Quartett reduziert.

Ganz andere musikalische Schubladen wurden im zweiten Teil geöffnet. Der australische Komponist Malcolm Williamson, dem die Universität Melbourne 1982 den Ehrendoktortitel für Musik verlieh, schrieb als Auftragswerk der King's Singers eine humorvolle Kantate über das Grimmsche Märchen von den Bremer Stadtmusikanten. Mit Tierstimmen-Imitation und allerlei anderen unkonventionellen klanglichen Finessen brachte die "BoyGroup" das Publikum zum Schmunzeln.

Bravourös beendet wurde der Abend mit raffiniert gesetzten kleinen musikalischen Bonbons, mit "Simple Gifts". Ein komisches und ein sentimentales Volkslied, ein anrührendes Wiegenlied und zwei Titel der legendären "Comedian Harmonists" sorgten für den furiosen Schluss: Duke Ellingtons Creole Love Call mit gekonnten Instrumenten-Imitationen und der vom Balkon gefallene kleine grüne Kaktus lösten zu Recht begeisterten Beifall aus. Schließlich wurde mit der Zugabe "Black Bird" noch eine Erinnerung an die Beatles nachgereicht.


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