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Rheinische Post, Freitag, 16.04.2010
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Mit einem Programm, das drei auf sehr unterschiedliche Weise rhapsodisch, also in der Form sehr frei aufgebaute Werke gegenüberstellte, fand der vorzügliche Pianist Lars Vogt im fünften "Klavier-extra"-Konzert ein begeistertes Publikum.
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KEMPEN (gho) Er begann mit Alban Bergs Klaviersonate h-moll op. 1. Berg zählt mit Arnold Schönberg und Anton Webern zum Kern der zweiten Wiener Schule.
Ein lyrisch-melancholisches Stück
Auch wenn sich der Wiener Alban Berg, ab 1904 Schüler von Schönberg, in seiner künstlerischen Entwicklung sowohl mit freier Atonalität als auch mit den strengen Regeln der Zwölftontechnik befasste, verließ ihn nie der Sinn für den Eigenwert des Klanges. Die strengen Kompositionsprinzipien werden bei ihm nicht zum Selbstzweck, sondern seine Musik wirkt über weite Strecken wie frei assoziiert. Lars Vogt brachte den lyrisch-melancholischen Charakter des Werks treffend zum Ausdruck.
Auch Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17 verzichtet auf eine Gliederung in drei oder vier klar voneinander abgesetzte Sätze. Poetische Momente wechseln mit energischen, markige mit weichen ab. Manche Passagen drängen mit Ungeduld vorwärts, andere scheinen zum Verweilen einzuladen. Vogt arbeitete die Gegensätze akribisch heraus. Mit einem langen Atem baute er Spannungsbögen auf
Bei Franz Liszt denkt man sowieso an Rhapsodie, und die gehörte h-moll-Sonate passt durchaus ins Bild. Mit ihr kam eine dritte Variante rhapsodisch angelegter Musik ins Spiel. Spiegelt sich in der Musik von Alban Berg die Melancholie über die wahrnehmbaren und versteckten Verwerfungen seiner Zeit, so lotet der Romantiker Schumann die Gegensätzlichkeit menschlicher Empfindungen aus. Schumanns Zeitgenosse Franz Liszt geht es dagegen mehr um die Weite der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten und um die pianistische Wirkung. Vogt gab Liszts Sonate mit einem Maximum an Intensität wieder, sowohl in den kraftvollen Partien als auch in den langsamen. Brillant schillerten die schnellen Figuren in den hohen Regionen. Kraft und Kondition sind ja eher Kategorien des Sports. Aber dass es Vogt daran nicht mangelt, wurde spätestens bei seiner Liszt-Interpretation deutlich.
Dass er auch anders kann, demonstrierte Vogt bei der Zugabe, mit der er sich für den herzlichen Applaus beim Publikum bedankte. Anmutig und mit einem kleinen Schuss Wehmut spielte er ein bittersüßes Impromptu von Franz Schubert. Mit großer Musikalität verband er den melodischen Fluss mit dem begleitenden Rankwerk.
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