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Rheinische Post, Dienstag, 01.06.2010
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Im letzten Konzert der Reihe "Klavier extra" war in der ausverkauften Paterskirche eine Virtuosin aus der obersten Klavierliga zu hören. Ragna Schirmer, nicht zum ersten Mal Gast in Kempen, faszinierte durch ihre pianistische Souveränität.
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KEMPEN (gho) Nichts ist ihr zu schwer. Mitreißendes Temperament, große persönliche Ausstrahlung und eine scheinbar nie erlahmende Kraft gehören zu ihren Wesensmerkmalen.
In einem durchdacht konzipierten Programm stellte sie Originalkompositionen der barocken Komponisten Bach und Händel Bearbeitungen und Variationen ihrer romantischen Verehrer Brahms und Busoni gegenüber. Schirmers Interpretationen waren hörenswert, interessant und gewiss auch diskussionswürdig.
Johann Sebastian Bachs Chaconne aus der zweiten Partita für Solovioline ist ein Werk, das einen immer wieder erschaudern lässt, im Original wie in jeder seriösen Bearbeitung. Die von Ferruccio Busoni beeindruckt, weil sie die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers auslotet. Dass Busoni seine eigene, spätromantische Auffassung durchschimmern lässt, ist legitim. Dem Publikum wolle sie überlassen, merkte Schirmer an, ob es ein Werk des Barock oder der Spätromantik höre. Die Pianistin ließ beide Stilrichtungen zu ihrem Recht kommen, was der Bearbeitung angemessen war.
Bei den Variationen, die Johannes Brahms in seinem op. 24 über ein zuvor gehörtes Händel-Thema schrieb, liegt der Fall insofern anders, als es sich nicht um eine Bearbeitung, sondern um eine eigene Brahms-Komposition handelt, die lediglich ein Händel-Thema zum Ausgangspunkt nimmt. Hier muss es ohnehin romantischer zugehen, mehr nach Brahms als nach Händel klingen. Ragna Schirmer ging allerdings noch einen Schritt weiter und orientierte sich vorwiegend an den Prinzipien virtuoser Klaviermusik, so dass es - in mitreißender pianistischer Perfektion - schon mehr nach Liszt oder Rachmaninow klang.
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Interpretationsmuster für barocke Kompositionen mehrfach geändert. Ragna Schirmer wählte einen romantischen Zugang, für Bachs Chromatische Fantasie und Fuge d-moll ebenso wie für Händels vierte Suite (d-moll) und seine Chaconne mit 21 Variationen (HWV 437). Sie spielte mit freien Tempi, rhapsodisch gestalteten langsamen und brillant glitzernden schnellen Partien.
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