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Rheinische Post, Dienstag, 31.01.2012
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Wäre unmittelbar vor Beginn des dritten Konzerts der Reihe "Klavier extra" mitgeteilt worden, dass das Programm nicht mit sieben Nocturnes Chopins sondern mit Mozarts Fantasie c-moll beginnen würde, wäre einiges an Irritation im Publikum vermieden worden.
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KEMPEN (gho)
Von dieser entschuldbaren organisatorischen Panne einmal abgesehen, war in der gut besetzten Paterskirche ein beeindruckender Klavierabend zu erleben. Die ukrainisch-amerikanische Pianistin Valentina Lisitsa erwies sich als Virtuosin von hohem Rang.
Chopin entfaltet in seinen "Nocturnes" eine breite Ausdrucksskala, die von Lisitsa adäquat zum Klingen gebracht wurde. Nicht nur träumerisch und zärtlich ging es zu, sondern auch schwermütig und mitunter auch etwas härter.
Überaus reizvoll sind Godowskys Fledermaus-Metamorphosen, völlig zu Recht "syrnphonisch" tituliert. Das Werk ist alles andere als ein Potpourri beliebter Johann-Strauß-Melodien. Die Themen erkennt man sofort, aber sie sind gänzlich anders verpackt. Es klingt nicht nach Johann Strauß, sondern nach Godowsky - anders schwungvoll, anders eingängig, anders spannend. Pianistisch wird viel verlangt, aber, wie im Laufe des Abends immer wieder festzustellen war, ist Lisitsa offensichtlich nichts zu schwer.
Franz Liszts Bearbeitungen von Liedern von Franz Schubert loten den unterschiedlichen Stimmungscharakter der Lieder aus und fügen virtuose Variationen an. Mit Härte und Kraft erklang in Lisitsas Interpretation der Erlkönig, zart die schöne Müllerin. Wie auf zwei Ebenen spielte sich das Ständchen ("Leise flehen meine Lieder") durch den Wechsel der Oktavlagen ab.
Franz Liszts "Totentanz" schließlich wurde zur Demonstration einer exorbitanten Virtuosität. Hier war mehr zu hören als die hohe Schule des Klavierspiels, hier ging es schon um Grenzüberschreitung. Kraftvolle harte Schläge in Höhen und Tiefen umrahmten das immer wieder eingebrachte "Dies-irae"-Motiv, glänzend vorgetragene virtuose Partien gelangen ebenso mitreißend wie die dramatischen und die lyrischen. Tod, Verderben, Verdammnis, Gnade und Auferstehung fanden ihren musikalischen Ausdruck.
Konditionelle Grenzen waren ebenso wenig festzustellen. Trotz des Kräfte zehrenden Programms waren noch drei Zugaben zu hören, wobei mit der zwölften Ungarischen Rhapsodie von Liszt noch einmal Virtuosität aus der Oberklasse geboten wurde. Davor gab es zum Dank für die stehenden Ovationen noch eine Liszt-Bearbeitung von Schuberts "Ave Maria", danach eine authentische, dezent vorgetragene Wiedergabe der "Träumerei" von Robert Schumann.
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