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Rheinische Post, Samstag, 22.09.2007
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Auf eines kann man sich verlassen, wenn russische Pianisten Musik ihres Heimatlandes spielen: Da geht es klaviertechnisch ohne Vorbehalt und Zögern zur Sache. So war es auch bei Olga Andryushchenko.
VON WALTER DAMM
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KEMPEN Die russische Pianistin spielte in der Kempener Paterskirche. Musik russischer Komponisten aus den letzten 130 Jahren stand auf dem Programm, und um am Ruf der russischen Klavierkunst ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, stürzte sich Andryushchenko in Prokofjews Sonate op. 1 von 1909 mit ihrem riskanten Beginn: Ein donnerndes Akkordgewitter, das den Auftakt markiert zu einem einsätzigen Gebilde, das in immer neuen Anläufen vollgriffiges Tastenspiel in allen dynamischen Spielarten verlangt.
Einen Ruhepunkt bildeten Skrjabins Zwei Tänze op. 73. Da zauberte Andryushchenko klingende Girlanden aus den Tasten und sodann motorisch angereicherte Arpeggien, bevor Skrjabins berühmtes Stück „Vers la flamme" von 1914 seine exzessive Chromatik in einer sorgsam angelegten Steigerung ausbreiten konnte. Überlegt man sich, dass Strawinskys "Ragtime" nur vier Jahre später entstanden ist, so ermisst man die stilistische Breite des Komponierens in dieser Zeit. Die Pianistin hatte für das exzentrische Stück die erforderliche Trockenheit des Anschlags wie die Sicherheit für die vertrackten rhythmischen Gebilde. Die erste Klaviersonate op. 12 von Schostakowitsch (1926) schlug den Bogen zurück zum einleitenden Prokofjew: Motorik stampfender Akkorde, das Ausnutzen der verschiedenen Lagen der Klaviatur, der Wechsel ganz zurückhaltender Passagen mit Brutalismen der ganze spätere Schostakowitsch ist da schon enthalten. Die Pianistin wurde dem in jeder Hinsicht gerecht.
In eine andere Welt führte Tschaikowskys Zyklus "Die Jahreszeiten". Das ist eine Folge von zwölf Charakterstücken, man glaubt bisweilen Schumann zu hören mit fein nuancierten melodischen Bögen, mit sauber gegriffenen Arpeggien und konturiertem Akkordspiel.
Es gelang der Pianistin ein ums andere Mal, das jeweilige Monatsbild plastisch zum Klingen zu bringen, den lebhaften Karneval als elegante Ballettmusik, die "Weißen Nächte" des Mai mit blühendem Ton, den Oktober leuchtend und zugleich melancholisch mit feiner Agogik, die Troikafahrt des November genau und pointiert und schließlich den Dezemberwalzer fein abgetönt und mit großer Eleganz.
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