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Rheinische Post, Mittwoch, 24.10.2007
Voll und ganz gelang der Start der Kempener Reihe "Kammermusik". Mit dem Geiger Daniel Hope (33) und dem Pianisten Sebastian Knauer (36) waren zwei außergewöhnliche Musiker ins fast ausverkaufte Kulturforum Franziskanerkloster gekommen. VON GERT HOLTMEYER
Kempen Die Begeisterung, die ihr Auftritt auslöste, resultierte aus den großartigen künstlerischen Leistungen, dem interessanten Programm und der großen Ausstrahlung der Musiker.

Der Abend begann mit sechs von sieben reizvollen, ursprünglich für Singstimme und Klavier geschriebenen Liedsätzen des spanischen Komponisten Manuel de Falla, vom polnischen Geiger Paul Kochanski für Geige mit Klavierbegleitung arrangiert. In den reizvollen "Siete canciones populares espanolas" wechseln vitale, melancholische und tänzerische Partien einander ab. Hope bewältigte mühelos die geigerischen Schwierigkeiten wie Flageoletts oder schnelle Wechsel von Pizzikato und bogentechnischen Herausforderungen. In langsamen Sätzen wie "Asturiana" variierte er zwischen einem ganz fahlen und einem äußerst intensiven Ton, bei dem er den Kontakt zwischen Saite und Bogen sehr nah beim Steg herstellte.

Mit dem Wechsel von dichter und zurückhaltender Tongebung erzeugte Hope beim Vortrag aller Werke große Spannung.

Für die dritte Sonate d-moll von Johannes Brahms wählte er angemessene Tempi. Temperamentvoll ging es in schnellen Partien zu. Dass er langsame Melodiebögen zu gestalten versteht, wurde im zweiten Satz deutlich.

Lieder von Felix Mendelssohn﷓Bartholdy eignen sich aufgrund ihrer eingängigen Melodik hervorragend für eine Transkription für Streichinstrumente. Schon 1918 spielte Jascha Heifetz "Auf Flügeln des Gesanges" auf Schallplatte ein. Den beiden Musikern gelang hiervon eine fabelhafte Interpretation, ebenso von "Suleika" und "Hexenlied". Wie Hope auf den Leib geschrieben wirken diese Lieder. Hinreißend gelingen ihm die Kantilenen. Er spielt sie mit einem Höchstmaß an Schmelz und Süße. Trotzdem wird es zu keiner Zeit tranig oder kitschig. Hope weiß das durch einen kleinen Schuss Agogik zu vermeiden. Indem er fast unmerklich das Tempo ein wenig variiert, baut er Spannungsbögen auf, die Musik bleibt lebendig. In Mendelssohns Hexenlied ging es dramatisch zur Sache, ein wenig fühlte man sich an Schuberts Erlkönig erinnert.

Von Griegs dritter Violinsonate c-moll gelang ebenfalls eine kompetente Wiedergabe. Geigerisch ging es mit Doppelgriffen sowie Wurf- und Springbogen zur Sache. Sebastian Knauer war je nach Anforderung ein aufmerksamer und einfühlsamer Begleiter oder ein eigenständiger solistischer Partner. In drei Zugaben bewiesen beide Musiker ihre stilistische Vielfalt.

Der WDR machte von diesem Konzert eine Aufnahme. Sendetermin ist am 4. Dezember, 20.05 Uhr, auf WDR 3.


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